1.1.8 Art Deco

Sinnlichkeit & Überflüssigkeit

In den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts entstand das Art Deco, ein Designstil, der ca. 20 Jahre anhielt und sein Ende nach dem zweiten Weltkrieg fand. Diesem Stil fehlt ein eindeutiges Merkmal. Vieles vom Art Deco war jedoch schon im Jugendstil angelegt und geht damit in Richtung Sinnlichkeit bzw. Überflüssigkeit.

Zentrum dieses Stils war jedoch unbestritten Paris – u.a. auch aufgrund der Ausstellung »Exposition internationale des Arts Decoratifs et industriels modernes«, die 1925 in Paris stattfand und deren Titel heute als Sammelbegriff dieses Stils gilt. Das Art Deco bedient sich bei seinen Ideen und Anregungen aus verschiedenen Stilrichtungen der Moderne, teilweise auch dem Art Deco entgegen gesetzten Ansichten. Erkennbar sind formale Einflüsse vom deutschen Werkbund, den Wiener Werkstätten aber auch kubistische und futuristische Einflüsse finden Einzug in das Art Deco und erinnern an das Bauhaus oder auch das niederländische De Stijl.

Dekorationsstil

Weiterhin sind auch stilistische Impulse aus fremdartigen Kulturen zu erkennen. So sind teilweise auch afrikanische, chinesische oder altägyptische Einflüsse aus der Kunst wahrzunehmen. Man kann also einen Mix aus den bekannten Stilmitteln des Jugendstils erkennen – florale, rankende Formen – auf der anderen Seite bedient man sich allerdings auch strenger geometrischer Formen. Es wird mit Kontrast und Symmetrie gearbeitet und farblich halten leuchtende Primärfarben Einzug. Großen Einfluss hat das Art Deco auf die Gestaltung von Möbeln, Einrichtungsgegenständen, Stoffen und nicht zuletzt der Inneneinrichtung. Das Design Handbook von Taschen (Fiell, P. & Fiell, C.: Design Handbook, Köln 2006, S. 21) negiert sogar das Art Deco als Designstil und spricht von einem Dekorationsstil. Auch beim Art Deco geht es um die Rückbesinnung auf das Handwerk – allerdings mit anderen Konsequenzen. Es wurden eher edlere Materialien benutzt, um sich von der Massenproduktion abzuheben, was dazu führte, dass viele Art Deco-Produkte auch nur in kleinen Stückzahlen produziert werden konnten.

Geografische Unterschiede in der Ausprägung

In den einzelnen Ländern war der Stil unterschiedlich ausgeprägt, während in Frankreich das Überflüssige zum Notwendigen erhoben wurde, fiel das Art Deco in Großbritannien eher gemäßigt aus (BSP Wells Coates). In den USA, wahrscheinlich auch durch die wirtschaftlichen Verhältnisse bedingt, hielt der Art Deco weit in die 50er Jahre an und darüber hinaus beeinflusste er in diesem Land maßgeblich die darauffolgenden Stilrichtungen.

Fazit Art Deco

Wirtschaftlicher Aufschwung

Beim Art Deco müssen wiederum die Umstände der damaligen Zeit betrachtet werden – es handelt sich hier um eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs, allgemein bekannt als die goldenen Zwanziger. Und hier ist ein Umstand zu erkennen, der sich auch in der Geschichte weiter durchziehen wird: In wirtschaftlich schwächeren Zeiten wird eher dem Funktionalismus bei der Gestaltung Beachtung geschenkt, während in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs eher das dekorative, repräsentative in den Vordergrund tritt. Und so kann auch das Art Deco als Konsequenz aus dem Aufschwung nach dem Ersten Weltkrieg gesehen werden.

Gebrauchsgegenstand als Statussymbol

Überschwellende dekorative Elemente werden unter anderem auch ein stückweit als Statussymbol benutzt und so entstehen sinnhaftig aufgeladene Gebrauchsgegenstände, die das genaue Gegenteil der Gestaltungsprinzipien des Werkbundes sind – der natürlich zur damaligen Zeit auch weiterhin bestand. Das Ende des Art Decos kann nach dem Zweiten Weltkrieg markiert werden – in solch »harten« Zeiten war einfach kein Platz für einen derartigen Luxus und so, wie bereits oben beschrieben, widmete man sich bei der Gestaltung wieder funktionalistischen Prinzipien.

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