1.1.3 Biedermeier Zeit

Rückzug ins Bürgerliche

Der Biedermeier ist eine, besonders in Österreich und Deutschland weit verbreitete Stilepoche, die etwa zwischen 1814 und 1848 stattfand. Diese Epoche prägte dabei Malerei, angewandte Kunst, die Mode, Literatur, Musik und auch die Architektur bzw. Möbel. Allgemein gesehen war die Biedermeier-Zeit ein Rückzug in die bürgerliche Kultur. Dabei stand nicht die Repräsentation im Vordergrund, sondern das Glück in den eigenen Wänden.  Auch der Ausdruck konservativ muss fallen, wenn man die Biedermeier-Zeit betrachtet.
Politikverdrossenheit und die 1819 entstandenen Karlsbader Beschlüsse sorgten für das Abwenden der Bürger von Staat, Politik, Gesellschaft und die Besinnung auf das Privat- und Familienleben.

Dieser Rückzug hatte direkte Konsequenzen für die Ausgestaltung des häuslichen Lebens. Einrichtungsgegenstände aus dieser Zeit charakterisierten nicht ein imposantes Äußeres, sondern eher Sachlichkeit und Funktionalität – ohne dabei plump zu wirken.

Gestaltungsmerkmale desBiedermeiers

Die Gestaltungselemente sollten also nicht repräsentativen Zwecken dienen, sondern die Behaglichkeit des eigenen Hauses unterstützen und fördern. Kunstvolle Ornamente und Applikationen aus dem Klassizismus mussten nun Symmetrie und auch hochwertigen Furnieren weichen. Schönheit wurde über exotische Materialien und kunstfertige Verarbeitung definiert. Handwerkskunst und das Kunstgewerbe liefen der akademischen Kunst den Rang ab und erlebten eine Blütezeit. Auch an der Mode lassen sich die Merkmale der Biedermeier-Gestaltung erkennen: Sie war schmal geschnitten und besaß kaum bis keine Verzierungen – eben schlicht und elegant.

»…Biedermeier, das ist äußere Entsagung, Genügsamkeit und der Versuch, ein Leben der Sammlung und Verinnerlichung zu führen…«

on Bauernfeld, E.: Wiener Biedermeier, Wien 1960, S. 5

Produktionsgeschichtlich stammen die Biedermeiermöbel aus dem Handwerk oder der Manufaktur. Wahrscheinlich dadurch gelingt die Vereinigung der Nüchternheit des Zweckes und dem Anspruch der Emotionen.

Fazit Biedermeier

Politik & Gesellschaft prägen Gestaltung

An der Biedermeier-Zeit kann man eindeutig ablesen, dass politische und gesellschaftliche Umstände die Gestaltungskriterien prägen – bzw. indirekt prägen, dadurch, dass die Menschen, die von diesen politischen und gesellschaftlichen Umständen geprägt werden, ihre Präferenz anhand dieser Umstände ausrichten. Zu dieser Zeit gab es in diesem Sinne natürlich noch kein Grafikdesign. Jedoch kann an der Gestaltung der Möbel feststellen, dass zwar für das eigene ästhetische Empfinden ausgewählt wurde – jedoch nicht nach repräsentativen Kriterien – eben das Rückbesinnen auf die eigenen vier Wände und auf eine Ästhetik, die hauptsächlich durch Verarbeitung und Materialien, jedoch weniger durch Form definiert wird. Das Handwerk gewinnt dabei wieder an Bedeutung, wobei hier sicherlich auch erwähnt werden muss, dass die Industrialisierung und damit auch die Möglichkeit der Massenproduktion noch gar nicht ausgeprägt waren.

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