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1.1.7 Der Werkbund

Konsequenz aus Arts & Crafts Bewegung

Der Werkbund ist eine wirtschaftskulturelle Vereinigung von Architekten, Künstlern, Kunsthandwerkern und Unternehmen, die im Oktober 1907 in München gegründet wurde. Der Initiator dieses Vereins war der Architekt Hermann Muthesius. Weitere Gründungsmitglieder sind Theodor Fischer (Architekt und Stadtplaner), Henry van de Velde (Architekt und Designer), Peter Behrens (Maler, Designer, Architekt und Typograf), Josef Hoffmann (Architekt und Designer), Joseph Maria Olbrich (Architekt) und andere. Der Werkbund knüpfte an die Ideen der Arts & Crafts Bewegung an, jedoch waren die Ansichten weitreichender und so schrieb Herrmann Hesse 1912 über den Werkbund:

Herrmann Hesse über den deutschen Werkbund

»Im Deutschen Werkbund arbeiten Künstler mit Handwerkern und Fabrikanten zusammen und zwar gegen den Schund zugunsten der Qualitätsarbeit. Es ist etwa der Ruskinsche Gedankenkreis, aber moderner, praktischer und weniger eng determiniert. Es handelt sich um den Geschmack als moralische Angelegenheit, aber Moral ist hier gleichbedeutend mit Volkswirtschaft.«

Fischer, W. & von Hartmann, G. B. (Hrsg.): Zwischen Kunst und Industrie. Der Deutsche Werkbund., München 1975, S. 13

Der Werkbund erstellte bei dem Treffen 1907 eine Satzung, in der unter anderem auch die Aufgabe des Werkbundes festgehalten wurde:

Aufgabe des Werkbunds

»Der Zweck des Bundes ist die Veredelung der gewerblichen Arbeit im Zusammenwirken von Kunst, Industrie und Handwerk durch Erziehung, Propaganda und geschlossene Stellungnahme zu einschlägigen Fragen.«

Nerdinger, W. & Durth, W. (Hrsg.): Ausstellungs-Katalog: 100 Jahre Deutscher Werk- bund, München 2007, S.142

Ethik & Industrialisierung

Man erkannte die Notwendigkeit einer Ethik in Zeiten der Industrialisierung und Ausbeutung der Arbeiter. Weitere Grundsätze bezogen sich auf die sogenannte Materialgerechtigkeit, Zweckmäßigkeit, Gediegenheit und Nachhaltigkeit.

Bewegung gegen kulturellen Verfall

Der Werkbund war damit eine Gegenbewegung zum Historismus und dem Jugendstil und forderte gleichzeitig eine künstlerische, soziale und sittliche Erneuerung. Er fasste den kulturellen Verfall der Umwelt als kritisch auf und orientierte sich auch, wie bereits erwähnt, an John Ruskins Schriften. Das entscheidende Problem war also die Entfremdung des Schaffenden zu seinem Produkt. Mit der Formel »Veredlung der Arbeit« ging es nicht nur um die Qualität des Produktes an sich, sondern sie waren sich sicher, dass, wenn das Produkt mehr Qualität enthält, auch der Arbeitsvorgang an sich »veredelt« wird. Die Geschichte des Werkbundes selbst ist dabei sehr wechselhaft – überdauerte er doch zwei Weltkriege, die als starke Einschnitte in die Gesellschaft (und die Ansichten dieser Gesellschaft) gesehen werden können. Die Bauhaus-Idee hatte zum Beispiel in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts starke Einflüsse auf den Werkbund – so war auch Walter Gropius lange vor dem ersten Weltkrieg Mitglied des Werkbundes.

Ausstellungen des Werkbunds

Die Ausstellungen des Werkbundes waren wegweisend und spiegelten immer auch die Einstellung des Werkbundes wieder. Es ging um die Produktion von qualitativ hochwertiger industrieller Massenware, die auch für den Arbeiterhaushalt erschwinglich sein und durch einen hohen künstlerischen Anspruch überzeugen sollte. Dabei spielt Funktionalismus erstmals eine große Rolle – wie auch ein daraus resultierender, sich selbst konstituierender, sachlicher, gegenwartsorientierter Stil. Kunst, Handwerk und Industrie sollten optimal zusammenwirken.

Werkbund heute

Der Werkbund hat sich bis heute gehalten – mittlerweile gibt es sogar den wb.jung (Werkbund Jung), der im Jahr 2012 offiziell an den Werkbund angegliedert wurde.

Fazit Werkbund

Gegen eine künstlerische Gestaltung

Den von Louis H. Sullivan stammenden Ausspruch »…Form ever follows function…« (Sullivan, H. S.: The tall office building artistically considered, URL: http://academics. triton.edu/faculty/fheitzman/tallofficebuilding.html) in seinem Buch »the tall office building artistically considered«  aus dem Jahre 1896 nahm sich der Werkbund unter anderem als Motto und so wurde ein stückweit auch als Protest gegen den Jugendstil und die übertriebene künstlerische Gestaltung von Alltagsgegenstände eine Gegenbewegung gegründet, die sich vor allem für Funktionalismus einsetzte. Zweck, Material und Konstruktion waren Schlüsselbegriffe des Werkbundes.

Nachhaltigkeit durch Funktionalismus

So wollte man, auch aus einer moralischen Verpflichtung heraus für die Gesellschaft, qualitativ hochwertige Produkte schaffen, die, auch durch ihre funktionalistische Gestaltung Nachhaltigkeit garantieren sollten. Man war sich als Gestalter seiner Verpflichtung der Gesellschaft bewusst, der Weg jedoch war weniger determiniert – man suchte noch nach Mitteln um diese Verantwortung geeignet umzusetzen. Auch wenn man sich an der Kunst orientierte, gewann die Designdisziplin nun auch an Bedeutung, da es weniger künstlerisch und mehr zur industriellen Produktion ging – ohne jedoch auf Ästhetik zu verzichten. Der Verzicht bestand eher darin Schnörkel, Ornamente und sonstiges Unnötige, überladene Extras auszulassen und die Form aus dem Produkt an sich heraus zu entwickeln.