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1.1.5 Arts & Crafts Bewegung

Gegenbewegung zur industriellen Massenproduktion

Die Arts & Crafts Bewegung entstand vorwiegend in England Mitte des 19. Jahrhunderts als Gegenbewegung zur industriellen Massenproduktion und den damit verbundenen Konsequenzen. Die Massenproduktion, meist Fließbandarbeit, führte zur sehr kleinschrittigen Arbeitsteilung, worauf sich die Arbeitnehmer von der Arbeit und dem gefertigten Produkt entfremdeten, so John Ruskin. Angeführt wurde diese Bewegung von William Morris, John Ruskin und einigen anderen. Sie verurteilten die meist minderwertigen und massengefertigten Gebrauchsgüter und forderten eine Wiederbelebung des Kunsthandwerks. Durch das Handwerk, so John Ruskin, könne sich der Handwerker mit seinem geschaffenem Produkt identifizieren und erreiche so bei der Produktion eine besondere Qualität und würde gleichzeitig durch seine Arbeit inspiriert und glücklich. Eine Win-Win Situation.

Qualität für jeden

Für Morrison hingen ästhetische und soziale Missstände stark zusammen  – schlechte Massenware, Umweltverschmutzung und entfremdete Arbeit. Qualitativ hochwertige Handwerksprodukte sollten billige, schlechte Industrieware ersetzen, ohne dabei für die breite Bevölkerungsschicht unerschwinglich zu sein. Diese Handwerksprodukte sollten sich bei der Gestaltung an der Natur orientieren und mit einfachen organischen Formen aufwarten. Der »Versklavung des Arbeiters durch die Maschine« sollte durch traditionelle Herstellungstechniken, künstlerischer Individualität und die Zusammenführung von Kopf- und Handarbeit entgegengewirkt werden. Zu diesem Zweck gründeten Morris, Marshall und Faulkner 1861 die Firma Morris, die Textilien, Tapeten, Möbel und Bücher auf einem sehr hohen ästhetischen Niveau entwarf und produzierte. Ein Jahr später erhielt die Firma zwei Goldmedaillen auf der Weltausstellung in London. Leider war die Folge dieser Popularität, dass die Preise für die Objekte sehr stark anstiegen, was dazu führte, dass sie nur noch für die Oberschicht erschwinglich waren. Dieser Punkt widersprach jedoch Morris‘ Intention »Kunst fürs Volk« zu produzieren.

Ende der Arts & Crafts Bewegung

Im Rahmen der Arts & Crafts Bewegung wurde auch die Zeitschrift »The Studio« herausgegeben. Weiterhin wurden auch einige Ausstellungen zwischen 1888 bis 1893 veranstaltet, die sich epochemachend auf die Vereinfachung der Formensprache auswirkten. Das Ende der Arts & Crafts Bewegung begann nach dem Ersten Weltkrieg, als das in der Arts & Crafts Bewegung verbreitete Art Deco vom Art Nouveau abgelöst wurde – und so auch die Arts & Crafts Bewegung sukzessive verschwand.

Fazit Arts & Crafts Bewegung

Soziale & gesellschaftliche Verpflichtung

Morrison und die Anhänger der Arts & Crafts Bewegung erkannten die gesellschaftliche und soziale Verpflichtung der Ästhetik bzw. des Kunsthandwerkes. Sie sahen in »schönen« Artefakten gleichzeitig die Verschönerung der Welt im Allgemeinen, also auch der Gesellschaft und natürlich auch der Arbeit. Sie sahen in der Massenproduktion einen Verfall der Gesellschaft und auch der Ästhetik, weil die Produktion die Möglichkeit der Herstellung ästhetischer Produkte und der Ästhetik im Allgemeinen einschränkt. Die Arts & Crafts Bewegung kann als Protest gegen die künstlerische Verarmung der Massenproduktion zu dieser Zeit gesehen werden. Als Rückkopplung hatten natürlich die vielen Produkte aus der industriellen Massenproduktion großen Einfluss auf die Geschmacksbildung und auch Geschmackserziehung der Gesellschaft – die Leute schienen abzustumpfen und sich dem »natürlichen« Handwerk geschmacklich bzw. ästhetisch zu entfremden.

Insofern sah die Arts & Crafts Bewegung auch die Verantwortung des Kunsthandwerkers bzw. Designers, die Bevölkerung ästhetisch zu erziehen – und eben die industrielle Massenproduktion sorgte hier für eine Autoritätsverlagerung dieser ästhetischen Verantwortung vom Kunsthandwerk hin zur industriellen Massenproduktion.

Ästhetische Erziehung

Insofern kann man diesen Umstand als Analogie sehen – man substituiert Kunsthandwerk mit Design bzw. rudimentär betrachtet mit der Gestaltung (und in diesem Fall auch mit der Herstellung) und industrielle Massenproduktion mit der Wirtschaft bzw. dem Arbeitgeber / Kunden. Natürlich hinkt der Vergleich etwas, da eben dem Kunsthandwerk, bzw. der Kunst noch eine gewisse Beliebigkeit anhängt, die dem Design, so wie wir es in der Gegenwart kennen nicht mehr anhängen sollte – dennoch der Machtkampf zwischen humaner, sozialer Gestaltung und wirtschaftlichem Interesse tritt wohl hier das erste mal auf.