2.15 Feedback Loops von Pangaro

2002 | Second Order Feedback Loops von Pangaro

Multidisziplinärer Ansatz

Paul Pangaro, Doktor an der Stanford University in Kalifornien, kann als Kybernetiker bezeichnet werden, der jedoch auch anderweitige Hintergründe hat: Sprachtheorie, Designtheoretiker, technische Geschäftsleitung und Unternehmer. Insofern ist sein Ansatz ein multidisziplinärer und teilweise auch aus der Designsichtweise (wenn auch nur aus der Produktgestaltungsbetrachtung).

Goal-action-feedback-loops

Sein Modell ist sehr abstrakter Natur und eine Weiterentwicklung seines Vorgängermodells (Goal-action-feedback-loops). Sein Vorgängermodell ist ein zirkulärer, zielorientierter Aktionskreis. Nach Pangaros Einschätzung agieren Designer demnach, indem sie ein Ziel haben, bestimmte Dinge tun, um dieses Ziel zu erreichen und danach ihre erreichten Ziele mit dem gesetzten Ziel vergleichen und eventuell nochmal in den Kreis gehen, wenn das erreichte Ziel nicht mit dem definierten Ziel übereinstimmt, um das zu erreichende Ziel zu erreichen.

Einfluß der Umwelt

In diesem Modell spielt auch die Umwelt, in dem das Ziel erreicht werden soll, eine Rolle. Das sogenannte Feedback spielt in der Kybernetik, wie auch in diesem Kreis, eine große Rolle. In seinem »Second-order feedback loop« wird ein zweiter Kreis in das Modell integriert, wobei der zweite Kreis dafür sorgt, das Ziel des ersten Kreises neu zu definieren. Hugh Dubberly benutzt die Analogie eines Thermostates für die bessere Veranschaulichung dieses Modells: Während der erste Kreis, also das Vorgängermodell des »Second-order feedback loops« für ein Thermostat steht (also die »Maschine« im abstrakten Sinne, die kontinuierlich die Raumtemperatur misst und je nachdem, ob eine bestimmte Temperatur erreicht wurde, die Heizung ab- oder zuschaltet), steht der zweite Kreis für den Menschen, dessen Ziel es ist, eine angenehme Raumtemperatur zu haben. Das Ziel des zweiten Kreises ist also eine angenehme Raumtemperatur, die sich im Zweifelsfall verändern kann. Das Ziel des zweiten Kreises sorgt für die Anpassung des Zieles im ersten Kreis. Der Mensch findet also, auch wenn der erste Kreis sein Ziel erreicht hat (beispielsweise eine Raumtemperatur von 21°C), das zweite Ziel, eine ihm angenehme Raumtemperatur noch nicht erreicht wurde und verändert das Ziel des zweiten Kreises zu einer Raumtemperatur von 23°C, was wiederum das Ziel des ersten Kreises verändert.

Zweifache Abstimmung der Ziele

Insofern erfolgt eine zweifache Abstimmung von Zielen (Second Order Cybernetics) – während bei Pangaro der erste Kreis meist für eine Maschine steht, erfolgt im zweiten Kreis das Abstimmen der durch die Maschine erreichten Ziele mit der Umwelt und mit dem im zweiten Kreis (auf einer höheren Ebene) definierten Ziel.

Was bedeutet das für den Designprozess?

Kybernetik

Pangaros Modell der zwei »Feedback-Loops«, bestehend aus zwei Kreisen, ist sehr wichtig für den Designprozess, weil es noch einmal sehr eindrücklich und aus Sicht der Kybernetik darstellt, dass Design eben nicht nur ein zielorientierter Lösungsprozess ist, sondern auch damit zu tun hat, Ziele aufgrund von Evaluation im Prozess neu zu definieren. Sein Modell bedient im Grunde genommen zwei Ziele. Zum einen, ein in der zweiten Ebene definiertes Hauptziel und zum anderen, ein Teilziel, welches ständig (im zweiten Kreis) mit dem Hauptziel abgeglichen wird.

Zwei Ziele

Die Erreichung des ersten Zieles kann mit mechanischer Abarbeitung erreicht werden, ob jedoch das Hauptziel erreicht wird, muss erst im zweiten Kreis geprüft werden und wenn das zweite (Haupt-)Ziel nicht erreicht wird, muss das erste Ziel neu definiert werden. Dabei ist das Hauptziel als ein sehr abstrakt definiertes Ziel zu verstehen, das eine lösungsorientierte Hinarbeit kaum ermöglicht, weil es zu schwammig, zu abstrakt definiert wurde – es ist zu komplex und so wird ein erstes Ziel definiert, was wesentlich leichter erreicht werden kann. Hier trifft man wieder auf die prophezeite Komplexität in der Zukunft und ein Ansatz der Lösung eben dieser Komplexität.

Analogie zum Auflösen in Teilprobleme

Im abstrakten Sinne ist auch hier eine Analogie zu Jones Aufbrechen in Teilprobleme, bzw. -lösungen zu erkennen – es muss zwei Teilziele geben – wobei das erste Teilziel immer wieder angepasst und verglichen werden muss. Auch das Einbinden von zwei Evaluierungsprozessen in das Modell ist hier entscheidend und lässt einen Umgang mit komplexen Sachverhalten, die bei einer ersten Zieldefinition meist gar nicht oder nur teilweise am Anfang des Projektes erfasst werden können, zu.

Konkretisierung von Konvergenz & Divergenz

Ähnlichkeiten zu Cross Modell (Convergence – Divergence) sind erkennbar, werden hier jedoch noch erweitert und konkretisiert, indem ein (scheinbar) zwei-Ebenen-Prozess definiert wird. Insofern ist dieses Modell für komplexe Projekte geeignet, wie sie in Verbindung mit technisierten und vernetzten Prozessen oder Produkten auftreten können. Für niederkomplexe Projekte sind die zwei Ebenen eher hinderlich und können Ressourcen verschlingen, die für ein einfaches Projekt nicht da bzw. nicht erforderlich sind.

»Knowing whether you have reached your goal requires feedback, a concept that comes from cybernetics« – Paul Pangaro