3.2.4 Kompetenzstufen nach Dreyfus

Kompetenzstufen

 

Kategorisierung durch Problemabhängigkeit

Hubert Dreyfus macht das Problem an sich abhängig von der Interpretation, Wahrnehmung und Strukturierung, die vom jeweiligen Designer vorgenommen wird und natürlich steht mit diesen Aktivitäten direkt seine Kompetenz und Erfahrung im Zusammenhang. Die Problemwahrnehmung ist also abhängig von der Interpretation des Designers. Er teilt sie in fünf Kompetenzstufen ein:

1. Novice
Er betrachtet nur die objektiven Funktionen der Situation, wie sie durch die Experten dargelegt werden. Er folgt strikten Regeln um mit dem Problem umzugehen.

2. Beginner
Auch der Beginner betrachtet die objektiven, harten Regeln, ist sich aber schon im Klaren darüber, dass es auch Ausnahmen geben kann. Er benutzt grundlegende Prinzipien, um sich durch die Problemsituation zu leiten.

3. Competent
Der fachkundige Problemlöser arbeitet grundlegend anders und befindet sich auf der ersten Stufe des »richtigen« Designers. Er kann erkennen, welche Elemente eines Problems zur Lösung relevant sind und aufgrund dieser Elemente einen Plan erstellen, um sein Ziel zu erreichen. Diese Kompetenzen erfordern eine weitaus höhere Einbindung in die Designsituation als die beiden vorangegangen Kompetenzstufen. Er sucht außerdem nach Möglichkeiten und baut Erwartungen auf. Dreyfus beschreibt das Vorgehen als intuitiv, emotional und charakterisiert es als Trial-and-Error Vorgehen.

4. Proficient
Der kompetente Designer erkennt sofort wichtige Zusammenhänge und hat einen geeigneten Plan und weiß auch, was zu tun ist, um sein Ziel zu erreichen.

5. Expert
Der Experte verhält sich intuitiv und hat sofort einen geeigneten Plan im Kopf.

Blackboxdesign

Die letzten Stufen des Dreyfuss Modells können als Blackboxdesign bezeichnet werden und können nicht als charakteristisch für den Designprozess gesehen werden. Lawson schreibt dazu, dass die ersten drei Stufen durch das Studium (von Design) erreicht werden können – die letzten beiden ergeben sich in der Praxis.

Kritik an Dreyfus

Die Probleme, die Dreyfus in diesem Modell erklärt, können nicht als äußerst komplexe Probleme definiert werden. Reine Trial-and-Error-Methoden können nicht als Grundlage für das Problemlösen von komplexen Problemen und Systemen herhalten, außerdem fällt scheinbar die Analyse als Phase des Prozesses in den letzten beiden Stufen komplett weg. Sicherlich ist es für den Anfänger sicherer, sich an rationalen Problemlösungsmethoden festzuhalten, aber auch mit diesen Methoden kann er keine komplexen Probleme lösen, die Gründe hierfür haben wir bereits im Vorfeld erörtert. Dennoch ist die Einteilung in Kompetenzstufen bei der Wahrnehmung des Problems ein wichtiger Ansatzpunkt und entscheidend bei der Definition des Problemraumes. Der Designer bestimmt den Raum des Problems und damit auch den Raum, in dem nach einer Lösung gesucht wird und natürlich hängt dies auch an seinen Kompetenzen, Erfahrungen und Abstraktionsfähigkeiten. Insofern ist seine Einteilung als solche zwar konstruktiv für die Erörterung der Problembehandlung, die konkrete Beschreibung des Problemlösens der jeweiligen Kompetenzstufen hingegen ist zu oberflächlich und bedarf einer systemischen Überarbeitung. An dieser Stelle soll jedoch die reine Einteilung in verschiedene Kompetenzstufen reichen.