3.1 Arten von Design Problemen

Problemarten

 

3 Problemarten

Probleme lassen sich in drei Arten einteilen. Die Kriterien für diese Einteilung ergeben sich aus den Einflüssen, die das Problem auf seine Umwelt hat, auf das Wissen bzw. die Information, die verfügbar ist, um das Problem zu identifizieren und eine Lösung zu erstellen und auf die Werkzeuge bzw. die einfache und klare Identifikation der Werkzeuge, um Probleme zu lösen. In der heutigen Zeit tritt meist eine Mischform dieser Problemarten auf, die somit jede Mischform zu einem komplexen Problem macht.

well-structured problems (H.Simon)

Chronologisch gesehen, kann man dieses Problem als erstes Problem bezeichnen – zumindest gemessen an der Quantität des Vorkommens. Diese Problemart wird dadurch charakterisiert, dass das Problem schon anfangs klar definiert werden kann und somit verschiedene (vorher identifizierbare) Schritte zu einer Lösung des Problems führen. Der Problemlöser ist sich den zulässigen Operationen, Bedeutungsregeln, Einschränkungen und formalen Aspekten bewusst und die Informationen, die zu einer Lösung führen, sind leicht zugänglich und identifizierbar. Weiterhin sind die Lösungen des eindeutig definierten Problems testbar und die Lösungsschritte können in der Realität überprüft werden. Die fertige Lösung ist sehr leicht in unsere Welt, also in ihre vorgesehene Umwelt, implementierbar.

Dieses Problem kann sehr leicht von einem Computer gelöst werden, wenn er die Umstände und Regeln kennt. Das Vorgehen ist linear und nicht komplex, verschiedene Schritte führen zu einer eindeutigen Lösung. Wir werden später noch einmal auf diese Problemart eingehen, die als determiniertes Problem betrachtet werden kann.

Beispiel für WSPs

Als Beispiel könnte man hier einen Schachspieler benennen. Die Regeln des Schachs sind vorgegeben und der Spieler muss anhand dieser Regeln schrittweise zum Ziel, also dem Gewinnen, gelangen. Augenscheinlich können diese Probleme auch von Computern gelöst werden (spielen gegen den Computer) und damit können »well-structured« Probleme nicht unbedingt als Designprobleme angesehen werden, obwohl sie natürlich auch mit den Methoden gelöst werden können, aber wenn eine ressourcensparende Lösung möglich ist, wäre das ein Schießen mit Kanonen auf Spatzen.

ill-structured problems nach H. Simon

Unendliche Probleme

Ungenau bestimmte Probleme sind schwer fassbar und als solche (scheinbar) unendlich. Die Unendlichkeit dieses Problems ergibt sich daraus, dass kein eindeutiger Zielzustand definiert und damit auch keine Lösung als die wahre Lösung markiert werden kann. Auch das Problem als solches ist nicht eindeutig definierbar und kann auch nicht verstanden werden – die Information über das Problem ist konfus und muss vom Designer unter subjektiven Aspekten gefiltert werden.

Keine objektiven Informationen

Es gibt keine objektiven, relevanten Informationen – sie müssen immer subjektiv eruiert werden. Durch die Uneindeutigkeit, oder gerade deswegen, sind meistens viele Parteien in das Problem involviert, sei es als Betroffene oder eben als Problemlöser im allgemeinen Sinne (z.B. Techniker, Wirtschaftsleute, etc.). Sie alle haben ihre subjektive Sichtweise auf das Problem und konstituieren aus dieser subjektiven Perspektive ihre Lösungen. Die Konsequenzen einer Lösung sind nur sehr schwer (bis gar nicht) vorhersagbar, was die Evaluation der Lösung bis zu dem Zeitpunkt, wo die Lösung wirklich in die Realität implementiert wird, schwierig bis unmöglich macht.

Soziale Lösungskomponente

»Ill-structured problems« können nicht vom Computer gelöst werden, weil sie zusätzlich zur logischen Lösungskomponente auch noch eine soziale Lösungskomponente benötigen (Emotionen). Die meisten der Probleme sind »ill-structered«-Probleme.

wicked problems nach R. Buchanan

Keine objektiv bewertbare Lösung

Diese Problemart ist ebenfalls schwer definierbar bzw. schwer formulierbar und sozialer Natur. Dies hat zur Folge, dass schon die Lösung an sich nur subjektiver Natur sein kann und somit auch ein subjektiver Lösungsweg vonnöten ist. Lösungen können nicht wahr oder falsch sein, also präskriptiv, sondern müssen zwangsläufig deskriptiv sein. Das hat zur Folge, dass Lösungen nur gut, böse, gut genug, schlecht oder verheerend sein können und selbst diese Einordnung ist schon subjektiv und hängt von den Kriterien ab, die zur Beurteilung der Lösung herangezogen wurden.

Sozialer Kontext

In »wicked problems« spielen verschiedene soziale Gruppen und deren Anforderung an ein Lösung eine Rolle. Sie spielt sich also immer in einem sozialen Kontext ab. Dadurch hat der Problemlöser von »wicked problems« immer auch eine soziale Verantwortung gegenüber der Lösung und deren Auswirkung auf die Gesellschaft. Wie bereits schon angedeutet ist hier eine besondere Sensibilisierung zur Implementation bzw. Evaluation der Lösung erforderlich, da durch die Lösung von »wicked problems« andere, vielleicht noch viel schlimmere Probleme entstehen können.

Ein Beispiel dafür hat Julia Moisand treffend formuliert: Eine NGO hat versucht, die HIV-Verbreitung in Südafrika einzudämmen, indem sehr billige Kondome verkauft wurden. Allerdings haben die Leute in Südafrika daraufhin angefangen, die billigen Kondome als Schuhcreme zu verwenden, weil die Kondome billiger waren als die Schuhcreme. Daraufhin sind natürlich die Verkäufe von Schuhcreme zurück gegangen, was die Schuhcremeindustrie schwächte. Das Hauptproblem, die Leute vor HIV zu schützen, wurde nicht gelöst, dafür ist jedoch ein anderes Problem entstanden.