2.8 Creative process nach Bryan Lawson

1980 | Creative process nach Bryan Lawson

Bryan Lawson, der Professor an der University of Sheffield ist, unterrichtet Architektur und hat sich viele Jahre mit dem Designprozess an sich beschäftigt und kann hier auch eine Vielzahl an Veröffentlichungen vorweisen. Nichtsdestotrotz ist seine Perspektive auf den Designprozess geprägt von der Architektur (im weitesten Sinne vom Interiordesign) und geht damit eindeutig in Richtung Produktdesign. Jedoch ist die Trennung von Design und Architektur in Amerika nicht so sehr ausgeprägt wie in Deutschland.

First Insight

Sein Modell, angelehnt an das Modell von George F. Kneller, besteht aus fünf Phasen: Die erste Phase (First Insight) beschreibt das Erkennen eines Problems und die Einsicht, dass dieses lösbar ist bzw. gelöst werden kann. Damit meint Lawson die klare Definition des Problems. Sein markanter Ansatz bei diesem Modell ist, die eindeutige und klare Definition des Problems. Hier sieht er Schwierigkeiten, die den späteren Prozess, falls das Problem nicht klar definiert und erkannt wurde, behindern können.

Zurücktreten von konkreten Kontexten

Dabei fordert Lawson, wie bereits weiter oben beschrieben, deutlich, das Zurücktreten vom konkreten Kontext und die Untersuchung anliegender Felder (bzw. Ebenen) – auf denen das Problem schon eher angelegt sein könnte.

Preparation

Im nächsten Schritt, der »Preparation« wird bewusst versucht, eine Lösung für das definierte Problem zu finden, im Sinne einer Zielsetzung. Lawson verweist hier auf eine enge Verstrickung der ersten und zweiten Phase, da sich mit der Zielsetzung neue Probleme auftun, die in der Formulierung des Problems dem Designer nicht bewusst waren oder eben erst durch eine Beleuchtung der Ziele des Designs an das Tageslicht kommt. Insofern kann aus der Zieldefinition eine Schwierigkeit entstehen, was es nötig macht, zur ersten Phase zurückzuspringen und das Problem neu bzw. konkreter zu formulieren.

Incubation

Die nächste Phase, die »Incubation«, wird von Lawson als Phase ohne großen Aufwand beschrieben und beschreibt eher eine unbewusste Auseinandersetzung mit der Lösung bzw. dem Problem. Nach Lawson ist die Hirnforschung noch nicht so weit, um die Abläufe dieses Vorgangs im Gehirn im Detail zu beschreiben. Er führt hier ein schönes Beispiel von dem Mathematiker Henri Poincarè ein, der diese undurchsichtige Phase anhand eines persönlichen Beispiels beschreibt. Wir werden später auf die Phase der »Incubation« vertieft eingehen.

Illumination

Die Phase der »Illumination« folgt als Ende der Phase der »Incubation« und stellt sozusagen den (meist spontanen) Einfall der Idee dar. Lawson vermutet, dass in der Phase der »Incubation« unbewusst auch Gedankengänge gestoppt werden und als Konsequenz darauf, neue Ansätze und Gedankengänge entstehen, die, so sie sich nicht als Sackgasse herausstellen, letztendlich zum »leap of Insight« manifestieren.

Verification

Wenn die Idee dann da ist, folgt die Phase der »Verification« – in der die Idee überprüft, evaluiert, weiterentwickelt und destilliert wird. Lawson erinnert hier auch, dass es auch wenn seine Modell durch die Pfeile in einer Richtung eine Linearität nahelegt, immer wieder zu Rücksprüngen kommen kann, wenn sich z.B. in der Verifikationphase herausstellt, dass etwas nicht zur Problemdefinition passt, bzw. die Problemdefinition wieder umgeschrieben werden muss und so auch die Zieldefinition überarbeitet werden muss.

Was bedeutet das für den Designprozess?

Mystifizierung der Ideenfindung

Lawson, für den Design und Kunst verknüpft sind, betreibt oft eine gewisse Mystifizierung der Ideenfindung, was man bei seinem Modell auch als kritisch sehen kann. Der Designer, auch wenn er vorher müßig recherchiert und Probleme analysiert, setzt sich in der Phase der »Incubation« einfach zurück und »wartet« auf eine Idee. Sicherlich ist dieser Geistesblitz noch nicht hinlänglich erforscht worden, um genaue Aussagen darüber zu machen, dennoch sollte man sich in einem Modell nicht auf Wissenslücken ausruhen, sondern versuchen, einen anderen Definitionsweg zu gehen, zumal in der Wirtschaft diese, von der Dauer her, ungewisse Inkubationszeit kaum vertretbar ist. Heureka-Momente sind sicherlich nicht auszuschließen, dennoch muss es einen Weg geben (durch Methoden und Kreativitätstechniken) diese »Incubation«-Zeit zu stimulieren und zu verkürzen. Mit seinem Modell unterstützt er eher das sogenannte Blackbox-Design, was eher kritisch zu sehen sein sollte und zur Mystifizierung des Designprozesses beiträgt.

Züruckspringen erwünscht

Auch er unterstützt ein Zurückspringen in der Struktur seines Modells, was eine festgefahrene, unreflektierte Umsetzung von Scheinlösungen verhindern soll, bzw. das Problemfeld neu definieren und ausweiten kann. Für Lawson ist die genaue Definition des Problems von äußerster Wichtigkeit und sollte immer in ständiger Wechselwirkung mit der Definition der Zielsetzung stehen. Abschließend kann man sagen, dass Lawson sehr viel Aufschlussreiches über den Designprozess geschrieben hat, wenn auch aus der Architekten-Perspektive – sein Modell jedoch nur teilweise aufschlussreich ist, so sind die Phasen der »Incubation« und »Illumination« leicht zusammen zu fassen, während die Phase der Problemdefinition und der Recherche bzw. Analyse im Umkehrschluss zwar in Wechselwirkung stehen, jedoch in der Gewichtung nicht aus dem Modell herausstechen.

»Design is as much a matter of finding problems as it is solving them«