2.3 Morphology of Design von Asimow

1962 | Morphology of Design von Morris Asimow

Morris Asimow, Professor für technische Systeme an der University of California in Los Angeles, entwickelte und lehrte die Disziplin des Ingenieurdesigns und publizierte auch einige der ersten Texte auf diesem Gebiet (1962).

Morphologie des Designs

Er definierte die Morphologie des Designs als Studie der chronologischen Struktur der Designprojekte. Er stellte fest, dass jedes Designprojekt seine individuelle, einzigartige Entwicklung hat. Er beschreibt das als Reihenfolge von Begebenheiten, die in einer chronologischen Abfolge ein Muster entwickeln, das im Großen und Ganzen Gemeinsamkeiten mit allen Projekten hat bzw. entwickelt. Er schreibt weiter:

»…Design as a progression from the abstract to the concrete. (This gives a vertical structure to a design project.)[…]Design is an iterative problem-solving process. (This gives a horizontal structure to each design step.)…«

Er beschreibt die vertikalen Phasen des Projektes als:

Realisierbarkeitsstudie (Feasibility study)
Vorprüfungsdesign (Preliminary design)
detailliertes Design (Detailed design)
Produktionsplanung (Planning for production)
Vertriebsplanung (Planning for distribution)
Konsumplanung (Planning for consumption)
Rücktrittsplanung (Planning for retirement)

Weiterhin vergleicht er den Designprozess mit dem allgemeinen Problemlösungsprozess, der nach seiner Sichtweise aus folgenden Punkten besteht:

Analyse
Synthese (Entstehung)
Evaluation
Entscheidung
Optimierung
Revidierung
Implementierung

Asimow, genau wie viele andere Methodiker (Alexander, Jones, Doblin), differenziert zwischen dem ursprünglich handwerklichen Design (»Design by evolution«) und dem »design by innovation«. Aus seiner Sicht wäre das dann wahrscheinlich das Industriedesign mit Ausrichtung auf das Ingenieurwesen.

Technologie als Risiko & Chance

Dieses Industriedesign hat mit neuen Technologien als Chance, aber auch als Risiko zu kämpfen – und genau um mit diesem Risiko umzugehen, impliziert er den Gebrauch von neuen Designmethoden als Werkzeug. Zwei Jahre nach Veröffentlichung seines Modells wurde dieses von Tomas Maldonado und Gui Bonsiepe in die Disziplinen der Architektur und des Designs, mit der Veröffentlichung des Artikels »Science and design« in der Zeitung Ulm 10/11 (1964) eingeführt.

Was bedeutet dieses Modell für den Designprozess?

Vertikale & horizontale Ebene des Prozesses

Asimows Modell ist wohl als die erste konsequente, strukturierte Einführung von Methoden in den Designprozess zu sehen – denn ohne Methoden sind die Schritte bzw. Phasen seines Modells nicht zu bewältigen. Auch die zwei Ebenen (vertikal und horizontal) eröffnen dem Designer eine Sicht auf den Designprozess, der auch mit komplexen Netzen und Zusammenhängen fertig wird.

Systemisches Design

Weiterhin führt er auch das systemische Design, als das Designen des Designprozesses, mit seinem Modell ein, indem er eine Trennung der Problemlösungsprozesse an sich und dem Management des Prozesses vornimmt. Dies gibt dem Designer die Möglichkeit, mit mehr Komplexität (durch Reflexion des eigentlichen Prozesses in Rückkopplung mit dem Problemlösungsprozess) umzugehen. Asimows Sicht ist, bedingt durch seinen wissenschaftlichen Hintergrund, eine sehr technische – und lässt vermuten, dass sich dieses Modell nur für den »eingefleischten« Produktdesigner eignete – allerdings lässt sich dieses Modell auch für Interfacedesigner nutzen – auch, wenn hier die technische Evaluation durch den immateriellen Charakter des Produktes wahrscheinlich eher rudimentär ausfällt und um die Evaluation mit dem Benutzer ausgebaut werden muss.

Vom Abstrakten zum Konkreten

Kritisch bei Asimow ist die Darstellung des Designens vom Abstrakten zum Konkreten in der Vertikalen – nach Lawson, aber auch Jones, kann es unter bestimmten Umständen vorkommen, dass man manche Details des Designs schon in der Phase des groben Designs klären muss, weil diese Details nicht verändert (oder nur schwer verändert werden können) und so auch, dass grobe Design in Teilen determinieren können.

Wechselwirkung von Abstraktem und Konkretem

Es besteht also eine Wechselwirkung zwischen grobem Design und dem Detaildesign. Sollte diese Wechselwirkung nicht beachtet werden, kann es im späteren Prozess, wenn schon alle groben Details festgelegt wurden, vorkommen, dass man in den Phasen vom Detaildesign (wenn man merkt, dass sich ein Detail nicht so beeinflussen lässt, dass man es mit dem groben Design in Einklang bringen kann) nochmal zurückspringen muss in das grobe Design und so wertvolle Zeit und andere Ressourcen verliert.

Insgesamt 7 Projektphasen

An dieser Stelle wurden von seinen sieben Projektphasen nur drei dargestellt, weil sich die anderen vier Phasen (Produktionsplanung, Vertriebsplanung, Konsumplanung, Rücktrittsplannung) zu weit von einem Designmodell entfernen und eher in den Management- und Marketingbereich fallen (was allerdings teilweise auch für »Kampagnen«-Designer interessant sein dürfte, aber an dieser Stelle ausgespart wird).