2.13 design process von Cross

2000 | The design process must converge von Nigel Cross

Konvergenz & Divergenz gipfeln in eine Lösung

Nigel Cross, Professor für Design an der Technologiefakultät in UK Open University, beschäftigt sich bereits seit 1969 mit dem Designprozess und dabei besonders mit den Denkweisen, die die Disziplin Design erfordert. Er entwickelt viele Modelle des Designprozesses. Das hier vorgestellte beschreibt nur einen Umstand, der beim Designprozess erforderlich ist. Cross beschreibt in diesem den ständigen Wechsel zwischen Divergenz und Konvergenz des Designprozesses, jedoch im Unterschied zu Banathys Modell wird die »Amplitude« dieser Konvergenz und Divergenz im Laufe des Prozesses bzw. des Projektes immer kleiner, bis sie schließlich in eine Lösung gipfelt.

Zufällige Suche & vorgefertigte Strategie

Den Designprozess beschreibt er als Mischung der beiden Extreme des zufälligen Suchens (Divergenz) und der vorgefertigten Strategie (Konvergenz). Normalerweise sollte der Designer von Konvergenz geprägt sein, jedoch ist es manchmal im Prozess erforderlich die Suche wieder etwas zu erweitern (Divergenz) bzw. neue Ideen zu suchen – dies aber nur als Mittel, um so im Nachfolgenden mehr Konvergenz zu erzeugen.

Unterschiede der Denkweise

Cross berichtet in seinem Buch »Engineering Design Methods Strategies« davon, dass Psychologen herausgefunden haben, dass einige Menschen eine mehr konvergente Denkweise haben, während andere eine divergente Denkweise betreiben. Dieser Umstand bedeutet, dass einige Designer in konvergenten Phasen besser sind als in divergenten Phasen und umgekehrt. Dieser Umstand könnte auch genutzt werden, wenn man in einem Designteam arbeitet – dann würden die konvergenten Denker in Phasen der Konvergenz einen hohen Anteil an der Mitarbeit haben, während in divergenten Phasen andere (divergent denkende) Designer in den Vordergrund treten. Die Stärken der konvergenten Denker sind die Auswahl von Details, umsetzbare und optimale Lösungen und die Evaluation. Die divergenten Denker hingegen sind gut darin, Konzepte zu entwickeln und haben eine weite Bandbreite von groben Ideen bzw. Alternativen. Ingenieure sind meist konvergente Denker. Im Designprozess sollten beide Denkweisen eingesetzt werden.

Forderung nach Zirkularität

Auch wenn die Darstellungsweise des Diagramms scheinbar linear ist, wird durch den Kontext klar, dass Cross eine Zirkularität fordert – ausgedrückt durch eine gewisse Zielgerichtetheit (Konvergenz) im Wechsel mit einer gewissen Zieldiffusität (Divergenz). Dadurch wird ausgedrückt, dass der Weg durch den Designprozess auch durch Erfahrung und Informationen aus dem Prozess (während des Prozesses) determiniert wird.

Was bedeutet das für den Designprozess?

Richtungsänderung

Auch, wenn die Visualisierung von Cross eher auf eine Linearität hindeutet, ist seine Sichtweise ein klares Statement für die Zirkularität im Designprozess. Nach seiner Sicht ist es nicht nur möglich, sondern auch notwendig im Designprozess selber die Richtung zu ändern, bzw. nicht starr sein anfangs definiertes Ziel zu verfolgen, sondern immer wieder seinen bisherigen Stand in Bezug auf das Problem und die Lösung zu reflektieren.

 

»but within the process of reaching
that final designthere will be times
when it will be appropriate and
necessary to diverge« – Nigel Cross