2.10 VDI 2221 von Cross

1993 | Die Konstruktionsmethodik VDI 2221 von Nigel Cross

Computergestützer Prozess

Die Konstruktionsmethodik des Vereins deutscher Industriedesigner bezieht sich auf Christopher Alexanders und Serge Chermayeffs »Community and Privacy« (1963) – ein Buch inspiriert von dem Einzug der Computer in der Architektur bzw. im Architekturprozess. Es ging ihnen um die »decomposition and recombination« als Anforderung an die konkrete Architektur.

Komplexe Sachverhalte in einfache zerteilen

In der Konstruktionsmethodik des VDI geht es um die Erkennung und Analyse eines Problems. Um dies besser und effizienter lösen zu können, selbst bei hoher Komplexität, wird das Problem in Teilprobleme »zerbrochen«, welche dann, jedes für sich, einfacher gelöst werden können. So entstehen Unterlösungen, die am Ende wiederum zu einer ganzen Lösung zusammengesetzt werden können. Das hier dargestellte Modell ist nur ein Teil dieser VDI 2221, welche insgesamt 44 Seiten enthält und für Industriedesigner entwickelt wurde. Das untenstehende Diagramm ist jedoch insofern auch für Designer anderer Disziplinen interessant, indem es den Ansatz vieler Methodiker der ersten Generation darstellt, die damit auf eine immer komplexer werdende Welt reagieren wollten: Das Zerlegen von komplexen Problemen in einzelne, einfach überschaubarere Teilprobleme.

Was bedeutet das für den Designprozess?

Problem-fokussiert

Das hier betrachtete Modell aus der VDI 2221 wurde oft kritisiert, weil es problemfokussiert ist und damit den »typischen« Denkweisen der Designer, die lösungsorientiert sind, widerspricht. Der Ansatz, ein komplexitätsreduzierendes Modell bzw. eine Methode an der Hand zu haben, ist verlockend, muss jedoch kritisch betrachtet werden. So schreibt auch Lawson, dass die Aufspaltung in Teilprobleme und den daraus resultierenden Teillösungen nicht unbedingt zu einer optimalen Gesamtlösung führen kann, weil natürlich bei den Teillösungen der Gesamtkontext überhaupt keine Rolle spielt und sich die Fehlerquelle beim Zusammensetzen der einzelnen Teillösungen als fatal entpuppt.

Gegenläufige Teillösungen

Im Industriedesign mag dieser Ansatz noch vertretbar sein, geht es doch um die Aufspaltung von Funktionen und die Erfüllung eben dieser, kann es im Interfacedesign oder auch in anderen Disziplinen zu sich gegenläufig verhaltenden Teillösungen führen.