3.3.5 Blackboxdesign – Glassboxdesign

Externalisierung des Designprozesses

Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen

In einer technologischen, komplexen Welt werden immer mehr Probleme im Verbund mit anderen Experten (teils aus der Designdisziplin, teils aus anderen Disziplinen) gelöst. Teamarbeit ist das Stichwort. Grundlage dieser Teamarbeit ist der nachvollziehbare Prozess für jedes Mitglied des Teams, welches ein bestimmtes Problem bzw. Thema bearbeitet. Jones sieht dabei zwei Modelle des Designprozesses:

Blackboxdesign

Keine bewusste Kontrolle

Dieses Modell impliziert, dass der wichtigste Teil des Designprozesses im Gehirn des Designers abläuft – außerhalb seiner bewussten Kontrolle. Dieses Modell kann, holistisch auf den Designprozess angewendet, auf die Gegenseite des rationalistischen Designs gestellt werden. Viele praktizierende Designer stimmen diesem Modell zu. Da unser Gehirn bzw. die Vorgänge noch nicht weitreichend genug erforscht sind um dieses Phänomen zu erklären, ist dieses Modell sehr gut geeignet, um den Designer bzw. dessen Handlungen zu mystifizieren. Klar ist, dass alles was irgendwann in unserem Leben bewusst oder unbewusst wahrgenommen wird, hiermit in den Prozess einfließt.

Ein unbewusstes, divergentes Vorgehen beschreibt diesen Vorgang wohl am besten. Unser Gehirn sucht hier nicht nur Lösungen für den aktuellen Input, sondern sucht unbewusst auch Lösungen für in der Vergangenheit aufgenommene Inputs und überlagert diese aktuellen und vergangenen) Inputs miteinander:

»…Everything that is absorbed and registered in your mind adds to the collection of ideas stored in the memory: a sort of library that you can consult whenever a problem arises. So, essentially the more you have seen, experienced and absorbed, the more points of refernce you will have to help you decide which direction to take: your frame of refernce expands…«

Kein eindeutiger Lösungsprozess

Der Designer ist nicht in der Lage zu erklären, wie er zu seiner Lösung gekommen ist – er hat einen Heureka-Moment, ein » …leap of insight…«. Die Lösung ist einfach da, ohne das der Designer bewusst an der Lösung gearbeitet hat. Das hat einige Nachteile – er kann den Lösungsprozess nicht steuern und somit auch nicht den Zeitpunkt, wann dieser »leap of insight« eintritt. Henri Poincarè hat hier eine kleine Geschichte, welches dieses Ereignis gut illustriert:

»Leap of Insight«

Der Mathematiker reflektiert über seine kreative Erreichung seiner mathematischen Errungenschaft: Poincarè beschäftigte sich mit der Fuchsschen Funktion. Anfangs saß er zwei Wochen lang an seinem Schreibtisch und beschäftigte sich damit, ob so eine Funktion überhaupt existieren könnte. Er versuchte verschiedene Kombinationen, anfangs jedoch immer mit negativen Ergebnissen. Eines Abends bzw. Nachts konnte er nicht richtig schlafen, da er vorher viel Kaffee getrunken hatte und beschloss sich nochmals der Fuchsschen Funktion zu widmen und siehe da: Bis zum nächsten Morgen hatte er eine Klasse von der Fuchsschen Funktion ermittelt, die er niederschrieb. Aber das war noch nicht das Ende seiner Arbeit – das Ergebnis dieser Nacht war die Einsicht, dass er seine Ideen noch weiter vorantreiben muss. Allerdings wurde seine Arbeit an der Fuchsschen Funktion zu dieser Zeit von einer geologischen Expedition unterbrochen. Auf dieser Expedition vergaß er das Problem absolut, bis er in einen Bus einstieg und in diesem Moment kam ihm ein Geistesblitz, er hatte die entscheidende Idee zur Lösung der Fuchsschen Funktion, obwohl er sich nicht bewusst mit seinem Problem auseinandergesetzt hatte.

Heureka Moment

Diesen Geistesblitz nennt man auch Heureka-Moment. Heureka ist griechisch und bedeutet »…Ich habe es gefunden…«. Dieser Ausruf geht zurück auf Archimedes von Syrakus, der nackt durch die Stadt gelaufen sein soll, nachdem ihm beim Baden das Archimedische Prinzip eingefallen ist.

Poincarès Prozess kann man in verschiedene Arten des »Denkens« einteilen:

Beschreibung des »Leap of Insights«

Die Anfangsphase stellt eine intensive Recherche über das Problem dar. Darauf folgt ein Zeitraum der mentalen Entspannung. In der dritten Phase erscheint dann die Lösung als Geistesblitz, meist an einem ungewöhnlichen Ort bzw. zu einer ungewöhnlichen Zeit, in der man sich nicht bewusst mit dem Problem auseinandergesetzt hat. Diese Phase haben viele Designer zum Beispiel vor dem Schlaf oder direkt am Morgen, nach dem Schlaf. Scheinbar also, wenn das Gehirn seine Gedanken schweifen lässt. Lawson beschreibt dieses Tagträumen als »…sort of uncontrolled stream of consciousness which in itself can be useful to designers but is certainly not their main tool…«.

Kritik am Blackboxdesign

Prozess muss erfahrbar gemacht werden

Aber eben gerade das unbewusste Schweifenlassen von Gedanken ist nicht wirklich konstruktiv für die Teamarbeit am komplexen System, weil der Denkvorgang nicht gesteuert werden kann und ebenfalls nicht erklärt werden kann. Im Team muss der Prozess geöffnet werden, er muss auch für die anderen Teammitglieder erfahrbar und nachvollziehbar sein und darf eben nicht beliebige, unerklärbare Outputs geben, weil diese von den Teammitglieder nicht inspiziert und evaluiert werden können, weil diesen Outputs die Grundlage fehlt und gerade hier, sollte man sich ein wenig mehr an der Wissenschaft orientieren. Wenn ein Mathematiker sagt, dass ist so, weil ich mir das so gedacht habe, würde ihn die Mathematikergemeinschaft wahrscheinlich auslachen. Mathematiker haben eine formale Sprache, in der sie untereinander ihren Weg kommunizieren und sie haben Operationen und Methoden, die sie anwenden können, um zu Lösungen zu kommen. Dadurch wird ihr Lösungsweg für andere nachvollziehbar und kritik- bzw. verbesserungsfähig. Das gleiche gilt natürlich auch für die Naturwissenschaften. Die Methoden und mit ihnen der Designprozess, können diese Nachvollziehbarkeit des Designprozesses bieten.

 

Glassboxdesign

Um das Glassboxdesign zu charakterisieren, kann man sich die Kriterien anschauen, die Jones für die Anwendung dieses Modells definiert:

Kriterien für das Glassboxdesign

»…
1. Objectives, variables and criteria are fixed in advance
2. Analysis is completed, or at least attempted, before solutions are sought
3. Evaluation is largely linguistic and logical (as opposed to experimental)
4. Strategies are fixed in advance; these are usually sequential but may include parallel operations, conditional operations and recycling
…«

Diese Kriterien markieren das Verhalten des Designers als rational und systematisch und könnten ihn so als analog zum Computer funktionierend sehen. Er agiert mit den Informationen, die ihm zur Verfügung stehen und folgt einer vorgefertigten Sequenze aus Operationen und Methoden. Diese Annahme ist sicherlich berechtigt, kann aber nicht komplett auf das Glassboxdesign angewendet werden. Da der Designer hier auch schon Entscheidungen mit subjektiven Kriterien trifft, die er allerdings, im Unterschied zum Blackboxddesign, begründen kann. Und das ist der Unterschied zum Computer. Der Glassboxdesigner ist in der Lage auf seinem Weg zum Ziel, durch Reflexion seines Prozesses, den Weg auch zu ändern. Weiterhin ist er auch immer ein Individuum in der subjektiven Gesellschaft und kann durch Empathie andere Sichtweisen, Kriterien und Bedürfnisse verstehen und bei seinen Entscheidungen miteinbeziehen – abhängig von seiner eigenen Gewichtung der Sichtweisen.

Kritik am Glassboxdesign

Eindeutiges Problem

Kritik am Glassboxdesign kann kaum angewandt werden, weil es an sich nichts Schlechtes ist. Andererseits müssen eben, um das Modell des Glassboxdesigns anzuwenden, der Weg und das Problem weitestgehend feststehen und dies ist nicht immer der Fall. Allerdings sollte im Prozess, soweit es möglich ist, das Glassboxdesignmodell dem Blackboxdesignmodell vorgezogen werden.

Fazit Glassboxdesign vs. Blackboxdesign

Glassboxdesign für Externalisierung

Im Hinblick auf die Externalisierung des Designprozesses ist, wie bereits beschrieben, das Glassboxdesignmodell dem Blackboxdesignmodell vorzuziehen. Es ermöglicht anderen den Lösungsprozess nachzuvollziehen und auch Eingriffe und Verbesserungen in diesem Prozess vorzunehmen. Weiterhin ist das Blackboxmodell für die Akzeptanz und Fundamentierung der Designdisziplin nachteilig. Mit ihm wird der Designer zum unberechenbaren Element im Prozess, da seine Vorgehensweise unbewusst ist und auch sein Lösungsweg nicht nachvollziehbar ist – Ideen und Lösungen sind einfach da. Das Blackboxmodell trägt zur Mystifizierung des Designers bei.

Generell kann man sagen, dass die Strukturierung des Designprozesses über das Glassboxdesignmodell erfolgen muss, die einzelnen Anwendungen der Methoden müssen plausibel und für andere nachvollziehbar sein. Eine bewusste Gestaltung des Prozesses erhöht auch die Produktivität, die Interaktion und das Ergebnis im Team. In den Methoden kann die Anwendung des Blackboxdesignmodells erfolgen – z.B. beim Brainstorming, wo nicht jede Idee oder jeder Einwurf begründet werden muss.

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